Krankheiten

Blick in eine mit Varroa befallene Brutzelle.
Neben dem weißlichen Kothaufen sind
verschiedene Larvenstadien der Milbe
zu erkennen

Der Nassenheider Verdunster wird
in ein Bienenvolk eingehängt

Varroatose

Alle Beobachtungen weisen darauf hin, dass die Varroatose als wichtigste Ursache für das Völkersterben angesehen werden kann. Zum einen war der Witterungsverlauf im Winter 2001/02 so ungünstig, dass keine effektive Varroabehandlung durchgeführt werden konnte und die Völker mit einer hohen Varroenzahl im Frühjahr 2002 das Brutgeschäft starteten. Es muss davon ausgegangen werden, dass einige Völker bereits im Sommer 2002 an der Varroatose eingingen. Bienen aus geschwächten Völkern betteln sich in gesunde ein und verteilen so die Milben auf gesunde Nachbarstände des befallenen Standes. Ferner werden geschwächte Völker von gesunden Völkern ausgeraubt. Neben dem erbeuteten Honig nehmen sie auch die Varroamilben mit. Die Varroenzahl in gesunden Völkern kann sich so innerhalb kürzester Zeit erheblich erhöhen. Der sehr verregnete Sommer reduzierte das Brutgeschäft, so dass einer sinkenden Brutzellenzahl eine immer stärker wachsende Varroenzahl gegenüber stand und die erbrüteten Bienen in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt waren. Jungbienen, die zur Stabilisierung der Volksstärke unerlässlich sind, bleiben aus, das Volk stirbt in Folge der dramatischen Bienenverluste ab. Solche Völker sind einfach „bienenleer". Dies kann innerhalb weniger Wochen, ja Tage geschehen und war in vielen Fällen zu beobachten.

Varroabehandlung

Da eine Behandlung mit Medikamenten in der Trachtzeit verboten ist, kann der Varroabefall nur mit biotechnischen Verfahren reduziert werden. Hierzu gehört das Entfernen gedeckelter Drohnenbrut, in der sich die meisten Milben befinden und die Jungvolkbildung. In Jungvölkern, die über längere Zeit ohne gedeckelte Brut sind, reduziert sich die Varroenzahl merklich. Auch das Fangwabenverfahren zeigt gute Erfolge. Gerade im vergangenen Sommer war es sehr wichtig, eine effektive und frühzeitige Varroabehandlung durchzuführen. Viele Imker haben die dramatische Situation nicht früh genug erkannt. Direkt nach der letzten Schleuderung war eine Behandlung mit Präparaten gefordert, die auch in die Brut wirken. Hierzu gehören ameisensäurehaltige Präparate (Illertisser Milbenplatte, Nassenheider Verdunster etc.). Pyrethroidhaltige Präparate (Bayvarol etc), Oxalsäureanwendungen oder Behandlungen mit Perizin wirken auch bei wiederholter Anwendung nicht ausreichend gut, da zu diesem Zeitpunkt die meisten Milben sich in den gedeckelten Brutzellen vermehren und von dem Mittel nicht erreicht werden. Für derartige Mittel müssen die Völker brutfrei sein! Auch ist immer eine Kontrolle des Behandlungserfolges notwendig. Dies geschieht über Bodeneinlagen, auf denen sich abgefallene Milben sammeln und ausgezählt werden können. Erst wenn kaum noch Milben fallen, war die Behandlung erfolgreich.

Ein besonderes Problem stellt die Reinvasion von Milben nach einer erfolgreichen Behandlung dar. Durch Räuberei und Einbetteln von Bienen aus sterbenden Völkern können pro Tag mehrere Tausend Milben eingetragen werden. So ist es wichtig, dass Imker in einer Region ihre Behandlung abstimmen und weitgehend zeitgleich behandeln.

Die Amerikanische Faulbrut (AFB)

Die Amerikanische oder auch Bösartige Faulbrut ist eine gefährliche Erkrankung des Bienenvolkes, deren Behandlung der Tierseuchen-Gesetzgebung unterliegt. Ihr Erreger ist ein sporenbildendes Bakterium namens Paenibacillus larvae larvae (früher Bacillus larvae genannt). Paenibacillus larvae larvae befällt ausschließlich die Bienenbrut. Die Bakterien vermehren sich in der Larve, töten diese dabei ab und gehen dann in die umweltbeständige Dauerform, die als Spore bezeichnet wird, über. Aus der weißen Bienenlarve entsteht dabei eine braune, fadenziehende Masse, die Millionen von Sporen enthält. Im eingetrockneten Zustand, als sogenannter Faulbrutschorf, ist sie nur schwer aus der Zelle zu entfernen. Weitere Symptome der Amerikanischen Faulbrut sind löchrige, eingesunkene Zelldeckel und ein lückiges Brutnest.

Erwachsene Bienen können nicht an Faulbrut erkranken, verbreiten aber die Sporen beispielsweise in ihrem Haarkleid oder als Ammenbienen über das Futter und führen so die Infektionskette fort.

Für den Menschen ist der Erreger ungefährlich, so dass mit Sporen belasteter Honig unbedenklich verzehrt werden kann. Von den Bienen jedoch ist solcher Honig fernzuhalten, da sie sich daran anstecken können. Gerade im Honig können die Sporen nämlich besonders gut überleben. (Sporenbelasteter Honig, insbesondere Importhonig aus größeren Abfüllbetrieben, ist übrigens die hauptsächliche Quelle für Neuinfektionen.)

Im Frühstadium der Infektion eines Bienenvolkes mit AFB können erkrankte Völker saniert werden. Allerdings fehlen in diesem Stadium meist die klinischen Symptome, wodurch eine frühzeitige Diagnose erschwert ist.

Im weiteren Verlauf der Krankheit treten charakteristische klinische Symptome auf, die dem Imker die Verdachtsdiagnose AFB ermöglichen. Diesen Verdacht muss der Imker laut Tierseuchengesetzgebung unverzüglich dem zuständigen Amtsveterinär melden. Werden die klinischen Symptome vom Veterinär bestätigt, gilt die Seuche als ausgebrochen.

Nach der amtlichen Feststellung des Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut ordnet die zuständige Behörde in der Regel die Tötung der seuchenkranken Völker an. Alle Gerätschaften und alle Materialien, die mit den erkrankten Bienen in Kontakt gekommen sein können, an denen sich also Sporen oder Bakterien befinden könnten, müssen nach Anweisung des Amtstierarztes entseucht oder unschädlich beseitigt werden. Der Amtstierarzt richtet um den befallenen Bienenstand herum einen Sperrbezirk von mindestens einem Kilometer Umkreis ein. Alle Bienenvölker und Bienenstände in diesem Sperrbezirk müssen unverzüglich auf Amerikanische Faulbrut untersucht werden. Dies dient der Erkennung weiterer Seuchenfälle sowie der Aufdeckung sämtlicher Sporenherde. Voraussetzung für die erfolgreiche Sanierung eines Sperrbezirk ist, dass alle Sporenquellen erkannt und beseitigt werden, damit sich die Bienen nicht immer wieder neu anstecken.

In dem Sperrbezirk befindliche bewegliche Bienenstände dürfen nicht von ihrem Standort entfernt werden. Ebenso dürfen keine Bienenvölker in den Sperrbezirk verbacht werden. Dadurch wird vor allem die Wanderung von Bienenvölkern aus dem betroffenen Gebiet heraus und ebenso ins Gebiet hinein unterbunden. Dank des neuen Faulbrutnachweisverfahrens kann der durch Wandersperren entstehende ökonomische Schaden in Grenzen gehalten werden, denn die Sanierung in Sperrbezirken kann damit nun besser überwacht und der Sperrbezirk oftmals früher aufgehoben werden.

In den letzten Jahren haben vorbeugende Reihenuntersuchungen (Faulbrutmonitoring), bei denen Futterkranzproben auf Faulbrutsporen untersucht wurden, geholfen, viele Infektionen zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu erkennen. So war es in den meisten Fällen möglich, den Ausbruch der Seuche zu verhindern. Die Völker konnten durch Kunstschwarmbildung saniert werden. Eine Abtötung der Völker war oftmals nicht nötig. Außerdem wurde verhindert, dass sich die Seuche unbemerkt weiter ausbreiten konnte.

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